Sauerlandtour 2018, Eindrücke eines Mitgereisten

Start: 28.09.18, 10 Uhr am Vereinshaus

Mit dabei:

Rudelführer‘ mit Honda African Twin

Halbsachse‘ mit Honda Crosstourer

Mädchen‘ mit Kawasaki Versys

Rookie‘ mit CB 1300

Immer Letzter‘ mit Ducati Multistrada

 

28.9.18

Am 28.9. ging es nach reichlich Garmin-Planung unter Angabe kurvenreicher Strecken ab dem Vereinshaus von Gehren in Richtung Sauerland. Das Ziel sollte nach ca. 7,5 Stunden und einiger Pinkel- und Rauchpausen Bigge-Olsberg im schönen Sauerland werden.

Vom Thüringer Wald fuhren wir die ersten 100 Kilometer der Rhön entgegen und bei Tann durfte der einzige Raucher im Feld seiner Sucht frönen. Die Gruppe war nun eingefahren und tempomäßig aufeinander abgestimmt, sodass der Hintermann ahnen konnte, was der Vordermann vor hat. Man freute sich doch schon auf ein trockenes Ankommen, jedoch konnten wir in der Ferne einen etwas dunkleren Horizont erahnen, der uns wissen ließ, da ist was im Anmarsch.

Weiter von Tann aus rollten wir in Richtung Alsfeld und so langsam wurde aus dem dunklen Horizont die traurige Gewissheit, dass wir nicht im Trockenen das Ziel erreichen werden. Sage und schreibe 10 Minuten Nieselregen haben doch tatsächlich die 16 Fliegen auf meinem Helm weggewaschen, die ich so mühsam sammelte. Es sollte die letzte Flüssigkeit sein, die wir an diesem Wochenende von Oben sahen. Nach einem kleinen Päuschen bei Alsfeld wurde reichlich darüber sinniert, welche Qualitäten der Rudelführer doch hatte, uns unter sämtlichen dunklen Wolken hindurchzuführen und die etwa 75ml an Nieselregen dann aufopferungsvoll auf sich nahm, während die Gruppe im Windschatten folgte. Nach ein paar kleinen Suchtfrön- und Pinkelpausen erreichten wir über sehr kurviges Geläuf gegen 17:30 Uhr das Quartier in Olsberg. Den Abendausklang bildete eine Kombination aus bayrischem Abend mit Weißwurst, Hachse, Kartoffelbrei und Sauerkraut sowie das ein oder andere Bierchen mit dem Resümee des Tages, beim Wetter recht viel Glück gehabt zu haben.

29.9.18

Nach einer ruhigen Nacht im durchaus angenehmen Hotel Bigger Hof war die Stärkung am Frühstücksbuffet eine erste Entschädigung für das, was folgte. Während bei Rührei, Brötchen und Joghurt die Äuglein langsam größer wurden, entdeckten wir das „corpus delicti“, welches uns bis zur frühen Mittagsstunde begleitete. 3° C! Bei „Mädchen“ und „Rookie“ keine Griffheizung. Das Belächeln der vermeintlich alten und bequemen Hasen sollte sich sträflichst rächen und die Erfahrung mal wieder über den Heißsporn siegen. Kurz nach dem Frühstück und beim Starten der Motorräder waren es immerhin auch schon 5° C. Nach knapp 10 Minuten Fahrzeit war der Motor auch schon temperaturmäßig so warm gefahren, dass man sich seine Griffheizung einfach selber baute, indem man die Hände kurzzeitig auf den Motorblock legt – Not macht erfinderisch – wer braucht schon Griffheizung, wenn man einen Reihen-Vierzylinder hat, dessen Zylinderköpfe reichlich Auflagefläche für kalte Hände inkl. Handschuhe bieten. Mal ehrlich, bei diesen Temperaturen und dem besagten Fehlen einer Griffheizung ist man doch als Motorradfahrer froh, an einer roten Ampel zu stehen und sich die Pfötchen wieder aufzutauen. Dieser Zustand hielt glücklicher Weise nur ca. 2,5 Stunden an, denn ich für meinen Teil habe in Echtzeit den Tagestemperaturverlauf im Cockpit-Display verfolgt und jede Steigerung mit einer inneren Libido bejubelt. Spätestens am ersten Haltepunkt für die Sauerlandrunde am Bigge-Grill bei Attendorn, waren sämtliche Leiden meinerseits vergessen, wir hatten +12°C. Frisch gestärkt mit Kaffee und teilweise Nikotin ging es im Anschluss bei milden Temperaturen und schönstem Sonnenschein vom Biggesee in Richtung „Eder-Stautümpel“. Der lange und regenarme Sommer hat auch an einem der schönsten Erholungsgebiete in Nordhessen seine unverkennbaren Spuren hinterlassen. An den am Wasser gelegenen Zeltplätzen, so wurde unsererseits gelästert, muss es sich wohl augenblicklich so verhalten wie am Strand der Nordsee bei Ebbe. Jedoch trübte dies nicht die ebenfalls schöne Straßenführung über kleinste und kurvigste Landstraßen und Gässchen quer durch das Sauerland am Kahlen Asten entlang in Richtung Edersee. Nach einer mehr als 15 minütigen Wanderung ab dem Parkplatz über die Staumauer zum Café war doch die Erleichterung über einen Sitzplatz förmlich zu spüren – wir waren zum Fahren hier, und nicht zum Laufen. Ebenfalls frisch gestärkt bei Kaffee und Eis ging es am Nachmittag der untergehenden Sonne wieder entgegen aus Richtung Eder mit Blick nach Olsberg, wo nach knapp 320 km eine entspannende heiße Dusche wartete. Der zweite Abend versprach, nicht schlechter zu werden als der erste, denn auf das bayrische Abendbrot folgte am Samstag ein Grillteller, der hielt, was er versprach. Spätestens da wurde den „Nicht-Griffheizung-am-Lenker-Fahrern“ klar – und da sind wir beim Resümee des zweiten Tages – Griffheizung ist nicht zwangsläufig was für Mädchen…

30.9.18

Am frühen Sonntagmorgen schon der erste Blick aus dem Fenster – denn die steifen Finger am Anfang des Vortages konnte ich für mich noch gut in Erinnerung behalten – war ich doch etwas erleichtert, dass die Dächer der Nachbarhäuser nicht ansatzweise so weiß von Raureif bedeckt waren, wie samstags. Nach einem ausgiebigen Frühstück und reichlich Kaffee (man muss einige Fahrer ja zu Pausen zwingen) ging es schlussendlich und auch etwas wehmütig wieder in Richtung Heimat. Zur Überraschung aller hatten wir beim Start der Rücktour in den Thüringer Wald doch schon sage und schreibe 8°C, dazu schönster Sonnenschein. Nach dem Verstauen aller Klamotten ging es gegen 10 Uhr los. Von Olsberg verabschiedeten wir uns über ein paar Schlenker auf Nebenstraßen mit Kurs auf Ippinghausen, wo sich nach knapp 80 km der Morgenkaffee mittels eines drückenden Verlangens nach Abwurf des Stoffwechselendproduktes bemerkbar machte. Nach ausgiebigen Gesprächen über die bei mir benötigten Reifen nach der Tour, ging es weiter Richtung Osten, wo wir gegen 14:30 Uhr und einiger kleinerer Kaffeeentladungsstops an der Raststätte Mühlberg – an den 3 Gleichen – unseren Mägen noch etwas Arbeit für die letzten Kilometer aufhalsten. Dort verabschiedeten wir uns von unserem „halbsächsischen“ Gastfahrer aus Gera, der von Mühlberg direkt in Richtung seiner Heimat den so schön rundgefahrenen Motorradreifen wieder – via Autobahn – in ein Vierkantgummi verwandeln wollte. Gegen 15:30 Uhr sind wir alle wohlbehalten, mit breitem Grinsen und leeren Tanks in Gehren angekommen. Das Resümee des dritten Tages war bei allen Beteiligten ein eindeutiges: „Das schreit förmlich nach Wiederholung!“